Moses Maimonides latinus
Maimuni, Mose ben Maimon, Moses Maimonides, Musa Ibn Maymun al Qurtubi, Rabbi Moses Aegyptus, Rabbi Moshe ben Maimon, RaMBaM (= R-abbi M-oses B-en M-aimon)

nicht datiert

Jüdischer Philosoph und Arzt; er gilt als bedeutendster aristotelisch orientierter jüdischer Philosoph des Mittelalters. "Sein ganzes Leben spiegelt dieses Bestreben, Wissenschaft und Philosophie mit jüdischem Glauben und jüdischer Frömmigkeit zu einen" [Hayoun (1994; deutsch 1999), 9].

nicht datiert

Die meisten seiner Werke hat er in Arabisch verfaßt (allerdings mit hebräischer Schrift), mit Ausnahme der "Mishneh Torah" und einigen seiner Briefe und "Responsa", die in Hebräisch verfaßt wurden. Die meisten wurden allerdings bald ins Hebräische übersetzt, schon zu seinen Lebzeiten [cf. Steinschneider (1902); Steinschneider (1893); Sarton (1931)].

Übersicht über seine wichtigsten (arabisch bzw. hebräisch verfaßten) Werke:

- 1159: Über die Berechnung des Neumondes (ein kurzes Schreiben astronomischen und chronologischen Inhalts).

- 1159: Traktat über Logik (arabisch verfaßt) ("Maqalah fi-sina'at al-mantiq") ("Maimonides erklärt den Sinn der gebräuchlichsten Termini der Logik und stellt die elementarsten Gesetze der Syllogismus dar. Dabei exzerpiert er Farabis Einführungsschriften. // Nach dem 7. Kapitel verlässt er die Logik im engeren Sinne, um die Terminologie anderer Zweige der Wissenschaft zu erklären. So behandelt er die Erkenntnisquellen (Kap. 8), die vier Ursachen (Kap. 9), die fünf Prädikabilien (Kap. 10), Substanz und Akzidens (Kap. 11), 'vor' und 'nach' (Kap. 12), die verschiedenen Arten der Ambiguität (Kap. 13) und die Einteilung der Wissenschaften" [Brague (2000), 99].,

- um 1162: Brief über die Verfolgung (auf Hebräisch erhalten),

- 1168: Kommentar zu Mischna (arabisch) ("Kitab es-Siraj"); darin "Acht Kapitel": Einleitung des Maimonides zu seinem Kommentar zum Traktat Pirqey Avoth ('Sprüche der Väter'). Schon zu seinen Lebzeiten wurden die 'Acht Kapitel' mit dem Kommentar zu Avoth ins Hebräische übersetzt (durch Samuel Ben Jehuda Ibn Tibbon in Südfrankreich; die Übersetzung wurde zwischen dem 28. November und dem 28. Dezember 1202 angefertigt, unter dem Titel: 'Schemonah Perakim'). Die jüdischen Zeitgenössen nannten den Kommentar zur Mischna 'Die Leuchte'.

- kurz vor 1170: Buch der Gebote (oder der Gesetze) (Arabisch),

- 1172: Brief an die Jemeniten (Arabisch),

- 1180: Mischneh Torah (hebräisch), [= Wiederholung (oder Zusammenfassung) der Lehre; der Thora]

- Führer der Unschlüssigen (arabisch),

- Traktat über die Auferstehung (arabisch),

- 1194: Brief an die Gemeinden Südfrankreichs über die Astrologie (hebräisch).

"Moritz Steinschneider mentioned twenty-two authenctic writings of Maimonides and twenty-seven which used to be ascribed to him [Steinschneider (1902), 199-218]. This figure is still considered reasonably reliable today (+/- 3) [Cf. Sarton (1931), 370-374]. About 600 letters, responsa etc. constitute a supplement to these works" [Hasselhoff (2002), 4].

Es sind darüberhinaus mehr als 600 Responsa und Briefe (Hebräisch bzw. Arabisch) bekannt.

nicht datiert

"Einer der demütigsten Weisen Spaniens" (Brief an die Jemeniten).

nicht datiert

"Für sein großes Werk hat Maimonides alle Werke Alfarabis und Avicennas benutzt, dazu auch noch die ebenso wichtigen Werke Ibn Badjas und Ibn Tufails. Dieser Ibn Tufail war der Lehrer von Averroes (Ibn Ruschd, 1126-98), den er in Marrakesch dem Kalifen vorstellte. Anders, als manchmal behauptet wird, hat Maimonides nicht die Schriften Averroes´ benutzt, denn der Großteil seines philosophischen Werks war bereits geschrieben, als er in Kairo schließlich die Texte seines berühmten Zeitgenossen kennenlernte. In seinem berühmten Brief an seinen Lieblingsschüler Joseph Ibn Aknin [...] empfiehlt er die Lektüre der Kommentare des großen Cordobaners, aber in seinen Schriften findet sich keine Spur der Lehren Averroes´. Dieser Mangel wird Maimonides übrigens von den späteren Kommentatoren, insbesondere Isaak Albalag, Joseph Ibn Caspi und Moses von Narbonne, zum Vorwurf gemacht. Moses von Narbonne schreibt die Irrtümer des Maimonides dessen wichtigsten mohammedanischem Vorbild Avicenna (Ibn Sina) zu" [Hayoun (1994; deutsch 1999), 17].

"Unter den 'Meistern' des Maimonides wie jedes Denkers aus Andalusien steht an erster Stelle al-Farabi [...]. Maimonides benutzt die Werke von Farabi und spielt ständig auf sie an, auch ohne sie ausdrücklich zu erwähnen. Er exzerpiert z.B. aus den 'Aphorismen des Staatsmanns' in den 'Acht Kapiteln'. Wahrscheinlich ist das Ausmaß des Gebrauchs noch größer, da manches unter den Werken von Farabi verschollen ist. Farabis Sprachgebrauch und Fachausdrücke sind überall bei Maimonides zu finden, auch an entlegenen Stellen. Als Beispiel kann man hier den 'Brief über die Verfolgung' angeben. In diesem Trostbrief rechtlichen und homiletischen Inhalts empfiehlt der junge Maimonides seinen Mitgläubigen, den Ort, in dem das Gesetz lax angewendet wird, zu verlassen, um sich in eine 'gute Stadt' zu begeben (IV). Nun wird dieser Zufluchtsort gerade mit dem Fachausdruck bezeichnet, den Farabi für seinen Musterstaat verwendet, d.h. 'die tugendhafte Satdt' (hebr. ham-medinah hat-tovah; arab. al-madina al-fadila)" [Brague (2000) 98].

1138

er wurde am 30. März 1138 (nicht 1135, wie früher geglaubt) im damals von den Muslimen beherrschten Córdoba geboren.

1148

Die Almohaden erobern Andalusien. Juden und Christen werden vor die Wahl gestellt, zum Islam überzutreten oder Spanien zu verlassen. Nach dem Tode der Mutter und der Vertreibung der Familie aus Cordoba 1148 gibt es eine lange Dunkelzeit, zu der man nicht weiß, wo sich die Familie aufhielt. Wir wissen nur, daß er damals seinen Traktat über Logik geschrieben hat (ca. 1154/1159). Vielleicht konvertierte er damals zum Schein zum Islam (das ist aber keineswegs gesichert). Man kann nicht ausschließen, daß er in dieser Zeit neben halakhischen Studien auch Medizin und Astronomie bei Abu Yusuf ibn Mu'allim aus Sevilla studierte. In dieser Zeit scheint seine Abhandlung über Astronomie entstanden zu sein. Schließlich flieht seine Familie nach Marokko und danach nach Ägypten. "Später, als er längst berühmt und angesehen ist und in Alt-Kairo wohnt, wird er nie aufhören, von seinem geliebten heimatlichen Andalusien zu sprechen. Selbst in seinen Briefen wird er sich stets 'Moses, der Spanier im Exil' nennen" [Hayoun (1994; deutsch 1999), 13].

nach 1148

Die Familie übersiedelt nach Marokko (Fes) (wohl 1158/1159).

Oktober 1165

Die Familie übersiedelt nach Alexandrien.

18. April/Mitte Mai 1165

Die Familie übersiedelt nach Palästina (Akkon).

Anfang 1166

Tod des Vaters.

1166

Tödlich verlaufender Schiffbruch des Bruders und Haupternährers der Familie, Davids. Maimonides erkrankte dann schwer und war für ein Jahr am Krankenbett.

1167

Schon 1167 war er nach Fustat (Alt-Kairo) übersiedelt.

Zwischen 1167 und 1170

Nach seiner Genesung wird er zum Arzt (als Brotarbeit war dies nötig nach dem Tod von Vater und Bruder). Er blieb daneben als unbezahlter Rabbiner der Nagid der ägyptischen jüdischen Gemeinde.

1179/1180

Ernennung zu einem der Leibärzte des Wesiers al-Fadil. Später wurde er Leibarzt des Sultans al-Afdal 'Ali, dem ältesten Sohn von Saladin. Es ist nicht sicher, ob er auch Arzt am großen Krankenhaus in Fustat war (gegründet 1181).

1204

Gestorben in Fustat (Alt-Kairo). Grabstätte in Tiberias.

1232

Strenge Juden wenden sich "an dominikanische Inquisitoren, um sich mit deren Hilfe gegen oppositionelle Maimonides-Anhänger unter ihren Glaubensbrüdern durchzusetzen" [Berg (1988), 443].

Dez. 1233

In Montpellier kommt es infolge der Intervention von 1232 zu einer Verbrennung von Maimonideshandschriften.

"To draw a general conclusion: Translating Maimonides at the end of the first quarter of the 13th century seems to have occurred rather accidentally. Until the middle of the fifth decade of that century the knowledge of Maimonides was rather scarce. With the translation of the 'Liber de uno Deo benedicto', Maimonides served as one of the Aristotelians who provided additional 'modern' philosophical knowledge. With the translation of the 'Dux neutrorum' which followed soon after, the situation changed radically. The broader reception of Maimonidean ideas began with Albert the Great and Thomas Aquinas. With the condemnation of some of Master Eckhart´s theological sentences in 1329 the development came to an abrupt end. The last years of the philosophical and theological reception overlapped with the first translations of Maimonides´ medical tracts. Here we can see an interesting development. The first tracts were related to the philosophical cure of the soul and afterwards of the body. (This means categorising the 'Regimen sanitatis' and 'De causis accidentium' among the philosophical tracts!) These translations were followed by tracts on special problems such as 'De venenis' and 'De haemorrhoidibus'. These tracts remained valuable as the ongoing production of new translations showed. The final step in the translations activities was reached with the translation of the aphorism. With this collection Maimonides´ authority was shifted from that of the philosopher to that of the physician whose authority comprises the whole of the medical science. At the same time this collection functions as a source book for the knowledge of ancient medical authorities such as Hippocrates and Galenus. In meantime, a new interest in the philosophical and theological ideas of Maimonides arose. Two protagonits of this development can be singled out. The first is Nicolas of Cues who (as a book collector) anticipated a development which resulted in the great humanistic libraries. Nicolas did all he could do to find and copy the 'Dux neutrorum'. The second protagonist is the marquis Giovanni Pico della Mirandola who even ordered new translations of further Maimonidean tracts by Flavius Mithriades which are beyond the scope of this essay" [Hasselhoff (2001), 276b-277b].

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original--Liber de parabola (siehe unter: Dux perplexorum)

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original++Liber de uno Deo benedicto (siehe unter: Dux perplexorum)

nicht datiert

original+Mischneh Torah (Lateinische Teilübersetzung)

nicht datiert

zweifelhaft-De universo

nicht datiert

zweifelhaft--Liber de plantis

1180/1190

original+Dux perplexorum
Synonym: Dalalat al-Ha'rin, Ductor perplexorum, Dux dubitantium, Dux neutrorum, Mater philosophiae, Moreh Nebukhim;

1294

original--De asmate

ca. 1294-1303

original+Regimen sanitatis

ca. 1298-1303

original++De causis accidentium

ca. 1298-1303

original--De haemorrhoidibus

1305

original--De venenis
Synonym: Contra venenum;

ca. 1350

original--De coitu

ca. 1400

original+Aphorismi
Synonym: Pirkei Moshe;

ca. 1490/1500?

original++De anima hominis et de virtutibus eius
  • Berg, Dieter: Servitus Judaeorum. Zum Verhältnis des Thomas von Aquin und seines Ordens zu den Juden in Europa im 13. Jahrhundert, in: Misc. Med. XIX (Thomas von Aquin. Werk und Wirkung im Licht neuerer Forschung), ed. A. Zimmermann, 1988, 439-458.
  • Brague, R., "Maimonides. Bibel als Philosophie", in: Theo Kobusch (Hg.), Philosophen des Mittelalters. Eine Einführung, Darmstadt 2000, 96-110.
  • Hasselhoff, G., "Maimonides in the Latin Middle Ages", in: Jewish Studies Quarterly 9 (2002), 1-20.
  • Hasselhoff, G., "The Reception of Maimonides in the Latin World: The Evidence of the Latin Translations in the 13th-15th Century", in: Materia giudaica. Rivista dell´associazione italiana per lo studio del giudaismo VI/2 (2001), 258-280.
  • Hayoun, M.-R., Maimonide ou l´autre Moise. Paris 1994 [deutsche Übersetzung von Ansgar Wildermann: Maimonides. Arzt und Philosoph im Mittelalter: Eine biographie. München 1999].
  • Sarton, G., Introduction to the History of Science, II: From Rabbi ben Ezra to Roger Bacon, Baltimore 1931.
  • Steinschneider, M., Die arabische Literatur der Juden, Frankfurt a.M. 1902.
  • Steinschneider, M., Die Hebräischen Übersetzungen des Mittelalters und die Juden als Dolmetscher, Berlin 1893 [ND: Graz 1956].
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